Weser Kurier, Zärtliche Klänge aus der Renaissance

Ein Konzert mit besonderem Flair gestaltete das Weckmann-Consort am Sonntagabend in der St. Cyprian- und Corneliuskirche in Ganderkesee. Gleich zwei Überraschungen hatte das Ensemble für sein Publikum parat.

30.06.2025, 17:00 Uhr
Von Günter Matysiak


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Mal ehrlich: Wer hätte bei einem Konzert mit Musik der Renaissance, womöglich geistlicher, an „zärtliche Musik“ gedacht? Nicht minder überraschend: Wer hätte mit dem Begriff „zärtlich“ spontan die Posaune ins Spiel gebracht? Beide Überraschungen gaben dem Konzert des „Weckmann-Consorts“ am Sonntag in der St. Cyprian- und Corneliuskirche sein spezielles Flair, das schon der liebevoll-geistreiche Text im Programmheft ankündigte.

Aus Anlass seines fünfjährigen Bestehens griff das Weckmann-Consort mit dem Programm eine historische Tradition auf: Der Organist Matthias Weckmann durfte laut Überlieferung um 1660 mit seinem Collegium Musicum jeden Donnerstag die besten Werke aus Europas Musikmetropolen aufführen – aus Venedig, Rom, Wien, München oder Dresden also. Wie sie dann auch am Sonntag in St. Cyprian erklangen.

Das Ensemble hat sich dabei auf historische Aufführungspraxis spezialisiert, sodass nicht nur gängige Instrumente wie Orgel und Violine, sondern auch seltener zu hörende Instrumente wie Zink, Dulzian oder Barockposaune zum Einsatz kamen.

Der Abend begann mit einer Toccata für Orgel solo von Michelangelo Rossi (1601–1656). Lea Suter, die auch die künstlerische Leitung hatte, spielte seine zweiteilige Toccata mit einer Mischung aus improvisierender Phantastik und durchartikulierter Präzision.

Wie der warm getönte Klang der Orgel in Francesco Cavallis (1602–1676) Werk den geschmeidig schlanken Sopran der Johanna Ludwig umhüllte, das war wohl auch zärtlich zu nennen.

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Foto: Ingo Möllers – Johanna Ludwig überzeugte mit geschmeidigem Sopran.

Orlando di Lassos „Las, voulez vous“ (mit Juan Gonzales, Barockposaune, Josquin Piguet, Zink, Clemmens Schlemmer, Dulcian und Lea Suter, Orgel) war geprägt von der dichten Kunst des Zusammenspiels. Sein „Bonjour mon coeur“ für Sopran und Orgel war in seiner Klangverschmelzung Zärtlichkeit pur.

Auch die „Sonate per Violine solo“ von Andreas Oswald (1687–1737) erklang: Carla Linné gab dem Werk virtuose Leidenschaftlichkeit, Lea Suter verlieh dem Basso ostinato einen bedrängenden Ton.

Ob geistlich oder weltlich – Zärtlichkeit, Schmerz und Begehren waren in dem knapp neunzig Minuten langen, titelreichen Abend stets präsent. Das ging einher mit der Lebendigkeit des authentischen Ensembleklangs und improvisatorischem Ausdruck.

Besondere Momente gab es im „Pulchra es amica mia“ von Francesco Rognoni (1525–1594), wenn sich Posaune und Sopran mischten, erfüllt von flackerndem Begehren. Mitunter aber auch derb, wenn tänzerische Leichtheit von weiblicher Garstigkeit und deftigem Paukenschlag kontrastiert wurde.

Der schillernd-authentische Klang der Instrumente und die Freiheit der melodischen Gestaltung nahmen gefangen bis zum abschließenden „Quando l’alba in oriente“ aus den Scherzi Musicali von Claudio Monteverdi (1567–1643). Dessen temperamentvolle Zartheit und tänzerische Hitzigkeit rundeten den Abend ab.

Für den großen Applaus bedankte sich das „Weckmann-Consort“ mit Giovanni Gastoldis allbekanntem „Amor vtttorioso“ und seinem fast zum Mitsingen auffordernden „fallala“-Schluss.