Weckmann Consort in Ganderkesee

Von Dresden und Hamburg

Matthias Weckmann war unter Heinrich Schütz´s Leitung Mitglied der Dresdener Hofkapelle und erhielt dort seine erste musikalische Ausbildung, bis er vom sächsischen Kurfürsten zu Jacob Prätorius nach Hamburg geschickt wurde, um von ihm das Handwerk des Orgelspielens zu lernen.

Später als Weckmann selbst Organist an St. Jakobi in Hamburg war, bekleidete Thomas Selle das Amt des Generalmusikdirektors für die Hauptkirchen in Hamburg. Der Generalmusikdirektor leitete die große Kantorei, die abwechselnd in den großen Kirchen musizierte. Wenn die Kantorei nicht da war, sollte der Organist alleine den Gottesdienst musikalisch gestalten. Das begründet vielleicht die vielen ausgeschriebenen Orgelwerke der Hamburger Organisten.

Von Heinrich Schütz hingegen sind uns keine Orgelwerke überliefert. Er genoss seine Ausbildung in Italien bei Gabrieli und bevorzugte italienische Musiker in seiner Dresdener Hofkapelle, wegen ihrer umfassenden Ausbildung.

Die Ausbildung zum Organisten in Italien um 1600 bestand darin, sich in vier Disziplinen zu üben – so die Beschreibung von Adriano Banchieri in seinem „L´Organo Suonarino“ (Venedig, 1605):

  • dem Fantasieren und freien Improvisieren einer Toccata, Fantasie oder eines kontrapunktischen Werkes
  • dem Intavolieren, das Übertragen eines Vokalstückes auf die Orgel
  • das Spielen aus der Partitur in verschiedenen Schlüsseln
  • das Begleiten nach einer Bass-stimme 

An diesen Anforderungen an einen Organisten hat sich im Laufe des 17. Jahrhunderts nicht viel geändert, wie aus der Beschreibung Johann Kortkamps über die Organistenprobe, also das Probespiel im Bewerbungsverfahren Weckmanns auf die Organistenstellen an St. Jakobi in Hamburg 1655 hervor geht. Dieser musste in fünf Aufgaben sein Können beweisen:

  1. Ein Präludium improvisieren, 
  2. 2. Über einen Choral auf 2 Manualen improvisieren, 
  3. Eine Arie nach dem Bass begleiten
  4. Eine 6-stimmiges Vokalstück spielen und 
  5. Eine lustige Fuge im Vollen Werk spielen.

Um 1727 beschreibt Johann Mattheson ähnliches in seiner „Organisten-Probe“.

Das sind die Grundfertigkeiten, die von einem Organisten gefordert waren, der meistens einzelne Instrumentalisten, sowie große und kleine Ensembles bestehend aus Laien oder Profis begleitete. Die Fähigkeit ein kurzes einleitendes Präludium, eine überleitende Fantasie, einen Choral zu bearbeiten oder am Ende eine „lustige Fuge“ über das gehörte Tonmaterial zusammenfassend zu spielen, war vielleicht mehr Mittel zum Zweck, insbesondere in Hamburg, wenn wie weiteroben beschrieben, die Kantorei gerade nicht da war.

Alle Komponisten des heutigen Programms haben in Hamburg und in Sachsen groß besetzte Musik geschrieben. Zur Begleitung dieser Vokal- und Instrumentalwerke gibt es mehrere Beschreibungen über den Einsatz der großen Kirchenorgel, insbesondere der Wahl der Registrierungen und Werke einer großen Orgel mit mehreren Manualen, wie sie in Mittel- und Norddeutschland zu finden sind: So z. B. bei F. E. Niedt „Musicalische Handleitung“ (Hamburg, 1700)

„Gedackt … ist ein Werk in Orgeln / von 16/8 und 4 Fuß / davon das achtfüßige am bequemsten zum General-Baß bey der Music ist.“  

Niedt beschreibt weiter, dass bei mehr Stimmen das Pedal mit Untersatz 16 oder Subbaß 16 Fuß verwendet werden soll. Singt ein ganzer Chor von acht, zwölf oder mehr Stimmen, so ist Prinicpal 8, das Pedal mit Subbass 16 und Octave 8 zu verwenden. Er führt fort:

„Ist ein Stück mit Trompeten und Pauken gesetzet / so wird im Pedal / zur achtfüßigen Octava, ein Posaunenbaß von 16 Fuß gezogen; die Töne müssen aber nicht bey gantzen oder halben Täcten ausgehalten werden / sondern man darf sie nur ansprechen lassen.“

Zusammen mit der großen mehrmanualigen Orgel erklingen Werke des in Hamburg wirkenden Weckmanns und Selles, sowie den in Sachsen wirkenden Kapellmeistern Schütz, Ahle und Schein für professionelle Sänger (Coro favorito) und einer Kantorei (Capella), sowie Violinen und Posaunen.

Dem gegenüber gestellt sind Verse in unterschiedlicher Kompositionsweise aus der Choralfantasie Weckmanns „Es ist das Heil uns kommen her“. Somit tritt die Orgel als begleitendes/leitendes sowie als solistisches Instrument in Erscheinung. Ich freue mich Ihnen heute einen Klangeindruck davon geben zu können, wie es vermutlich in einem Gottesdienst im 17 Jahrhundert – der Blütezeit der norddeutschen Orgel – zu hören war.

„Zärtlichkeit, Schmerz, Begehren waren in dem knapp neunzig Minuten langen, titelreichen Abend immer gegenwärtig... Der schillernd authentische Klang der Instrumente und die Freiheit der melodischen Gestaltung gefangen genommen.“

Besetzung

Links